Orientierung:

parsley,

sage,

rosemary

and thyme






Links:

mare.litterarum

pavot rouge

Herr John

Kopfflimmern

schattenschwer

(twttr)
Defibrillator

Ich frage mich manchmal, ob Du weißt, dass ich schon mehrmals versucht habe, einen Abschiedsbrief zu formulieren. Ich würde dann schreiben: Das macht so keinen Sinn mehr, wenn ich doch nichts mehr von Dir höre. Ich würde schreiben: Danke für all die Jahre. Danke, dass Du mich so lange ausgehalten hast, als ich unerträglich war und danke dafür, dass unsere Freundschaft diese Zeiten überstand. Vielleicht würde ich Dich sogar zitieren und noch einmal aufs Neue fragen, wieso Du nicht schreibst. Vielleicht weißt Du mittlerweile nicht einmal mehr, dass Du das je geschrieben hast.
Ich habe heute lange in unseren alten Mails gelesen. In jenen, die ich Dir schickte und in jeden, die zurückkamen. Ich habe lesen können, was Du mit mir mitmachen musstest, ich konnte lesen, wie ich mich über die Jahre verändert habe, wie sich mein verwirrtes Gerede nach und nach immer ein wenig mehr strukturierte.
Interessanterweise hast Du Dich die ganze Zeit über gar nicht gravierend verändert. Und interessanterweise erinnere ich mich noch an so viele E-Mails und kann mir doch kaum noch vorstellen, wie es war, sie zu lesen.
Ich würde schreiben: Das kann ja so nicht weitergehen, das kann ich so nicht mehr mitmachen. Ich rette mich in Zynismus. Ich würde schreiben: Quod erat demonstrandum.
Denn anstatt etwas zu tun, orakelst Du, dass es böse enden wird. Und gleichzeitig weißt und sagst Du, dass es böse enden wird, weil ich irgendwann keine Lust habe. Du sagst: Weil es Dir irgendwann reichen wird mit mir. Oder vielmehr: ohne mich.
In solchen Momenten kratze ich förmlich schon mit der Feder die Abschiedsworte auf das Papier. Dann schreibe ich: Gut, wie Du willst.
Und interessanterweise bist Du dahingehend auch immer noch der Alte. Ich glaube, dass Du, würde ich Dir das wirklich schreiben, noch einmal den alten Spruch herauskramen würdest. Den Spruch, der mich schon vor Jahren tief getroffen hat und der damals vielleicht passte, heute aber schon lange nicht mehr: Ich kann nicht meine ganze Woche nur nach Dir ausrichten.
Als ob ich das je verlangte. Ich frage mich manchmal wirklich, ob Du von mir glaubst, dass es noch immer das ist, was mich antreibt, das, was es vor Jahren war. Das frage ich mich wirklich. Und kann oder muss ich es Dir mit Bestimmtheit sagen, wenn ich Dir mit vollster Bestimmtheit sage: Nein. Das ist es nicht. Als ob ich das je verlangte.
Alles was ich will, ist dass noch irgendein Funken Leben in dieser Hülle steckt, die ich einmal unsere Freundschaft nennen konnte. Ich möchte nicht ständig den Defibrillator ansetzen müssen. Alles was ich will, ist ab und an das Wort von einem Freund, der mir in langen Jahren sehr ans Herz gewachsen ist. Der mir zugehört hat, bei jedem kleinen, unwichtigen Blödsinn und mir sinnbildliche Ohrfeigen verpasste, wenn ich es verdiente.
Ich weiß: ich würde Dir einen solchen Brief nur schreiben in der Hoffnung, dass es danach besser werden würde. Niemals in der Vermutung, dass danach kein Wort mehr käme.
Ich weiß auch: Irgendwann werde ich Dir das hier zeigen. Irgendwann einmal, wenn Du vielleicht danach fragst, ob ich noch schreibe. Ich weiß: Das impliziert die Vermutung, dass Du redest oder schreibst. Darauf kann ich hoffen.

22.8.09 00:45
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen