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Au dessus des vieux volcans
Glissent des ailes sous les tapis du vent
Voyage voyage, eternellement

(Desireless - Voyage Voyage)

ein meer, ein meer so hellblauweiß wie seifenwasser, das felsen schlägt, so brausend, hoch und laut. der sand so schwarz, ein dunkles stück in meiner hand, ein teil vulkan, von zeit und wasser sandkornklein gebebt. ein salzgeruch. ein salzgeschmack. ein branden um die füße.
wir schlängelten uns hoch in serpentinen, wir fuhren tief durch lorbeer und wacholder. und der mann, der sich alles erklären konnte, der alles wusste, sagte bacholder, bacholder, mit spanischem klang. bacholderwald, bacholder, zeder. der blick fiel hoch zu felsen, die der vulkan so stehen ließ, der blick fiel hinunter in calderen, tiefe krater.
doch das, was blieb, war das meer, ein meer so hellblauweiß wie seifenwasser, das sich im dunkelblau verlor.

 

 

 

16.10.09 11:39


Warme Milch mit Honig

Es geht ein Windzug durch's Haus, es wird kalt. Am Fenster stehen und mit wippenden Bewegungen auf die Färbungen der Blätter warten. Warten, bis der Wind kalt genug für eine Heizung wird, warten auf den Geruch von Spekulatius, Tee und Kerzen. Bestandsaufnahme: Nasses Laub, tanzende Stürme durch nahe Bäume, ein fernes Rauschen. Kalte Finger, trippelnd über die Fensterbank. Der Herbst drückt die Augen nieder, schließt den Mund, stumm stehend am Fenster. Es gibt kein Vorwärts in der Sprache, nicht jetzt, denn alles kehrt zurück. Es wird Zeit für alte Worte. Zurück zu Ausgangsorten, der rote September dreht die Uhr um Jahre, zeigt lang Vergangenes, das blieb in Kopf und Körper.
Es wird dunkel um uns, es wird Herbst. Es wird Zeit, die Jacke fester zu ziehen um den Körper, die Arme zu schlingen und den Schal. Wir bleiben. Wir müssen. Ein wenig auf der Stelle, das tut weh und das soll es.  
Da ist Musik. Da ist so viel Musik, geblieben und neu. Wir stehen stumm und hören.
15.9.09 20:13


Willkommen

Es ist still um uns geworden. Wir legten die Hände in den Schoß und warteten lange. Wir saßen und fühlten keine Zeit. Wir sahen zu, wie der Staub sich setzte auf unser Haupt, auf die Haut, auf die Hände, auf das Haar. Wir sahen. Wir sind sehr leise gewesen. Wir konnten es sehen, ein einzeln Staubkorn, das sich setzte, mit uns. Wir konnten sie allesamt sehen, kommend wie aus dem Nichts. Wir wurden das Weiß des Zimmers. Wir saßen eine lange Zeit.
Als wir aufstanden, wussten wir nicht mehr recht, wie das geht: Stehen. Bewegen. Laufen. Wir probten. Wir drehten unsere Handgelenke zum Test. Es funktionierte. Wir standen auf und taumelten nicht. Wir setzten einen Schritt und er ging. Wir gingen einen kleinen Kreis auf dem Boden, einen engen, es ging. Wir sind wieder da. Wir sind wach. Es hat lange gedauert, es war still um uns, aber jetzt sind wir da. Wir machen Laute, leise und laute. Wir sind aus dem Weiß der Wand hinausgetreten, wir sind da. Wir schreien das hinaus. Wir schreien.
23.8.09 23:04


Defibrillator

Ich frage mich manchmal, ob Du weißt, dass ich schon mehrmals versucht habe, einen Abschiedsbrief zu formulieren. Ich würde dann schreiben: Das macht so keinen Sinn mehr, wenn ich doch nichts mehr von Dir höre. Ich würde schreiben: Danke für all die Jahre. Danke, dass Du mich so lange ausgehalten hast, als ich unerträglich war und danke dafür, dass unsere Freundschaft diese Zeiten überstand. Vielleicht würde ich Dich sogar zitieren und noch einmal aufs Neue fragen, wieso Du nicht schreibst. Vielleicht weißt Du mittlerweile nicht einmal mehr, dass Du das je geschrieben hast.
Ich habe heute lange in unseren alten Mails gelesen. In jenen, die ich Dir schickte und in jeden, die zurückkamen. Ich habe lesen können, was Du mit mir mitmachen musstest, ich konnte lesen, wie ich mich über die Jahre verändert habe, wie sich mein verwirrtes Gerede nach und nach immer ein wenig mehr strukturierte.
Interessanterweise hast Du Dich die ganze Zeit über gar nicht gravierend verändert. Und interessanterweise erinnere ich mich noch an so viele E-Mails und kann mir doch kaum noch vorstellen, wie es war, sie zu lesen.
Ich würde schreiben: Das kann ja so nicht weitergehen, das kann ich so nicht mehr mitmachen. Ich rette mich in Zynismus. Ich würde schreiben: Quod erat demonstrandum.
Denn anstatt etwas zu tun, orakelst Du, dass es böse enden wird. Und gleichzeitig weißt und sagst Du, dass es böse enden wird, weil ich irgendwann keine Lust habe. Du sagst: Weil es Dir irgendwann reichen wird mit mir. Oder vielmehr: ohne mich.
In solchen Momenten kratze ich förmlich schon mit der Feder die Abschiedsworte auf das Papier. Dann schreibe ich: Gut, wie Du willst.
Und interessanterweise bist Du dahingehend auch immer noch der Alte. Ich glaube, dass Du, würde ich Dir das wirklich schreiben, noch einmal den alten Spruch herauskramen würdest. Den Spruch, der mich schon vor Jahren tief getroffen hat und der damals vielleicht passte, heute aber schon lange nicht mehr: Ich kann nicht meine ganze Woche nur nach Dir ausrichten.
Als ob ich das je verlangte. Ich frage mich manchmal wirklich, ob Du von mir glaubst, dass es noch immer das ist, was mich antreibt, das, was es vor Jahren war. Das frage ich mich wirklich. Und kann oder muss ich es Dir mit Bestimmtheit sagen, wenn ich Dir mit vollster Bestimmtheit sage: Nein. Das ist es nicht. Als ob ich das je verlangte.
Alles was ich will, ist dass noch irgendein Funken Leben in dieser Hülle steckt, die ich einmal unsere Freundschaft nennen konnte. Ich möchte nicht ständig den Defibrillator ansetzen müssen. Alles was ich will, ist ab und an das Wort von einem Freund, der mir in langen Jahren sehr ans Herz gewachsen ist. Der mir zugehört hat, bei jedem kleinen, unwichtigen Blödsinn und mir sinnbildliche Ohrfeigen verpasste, wenn ich es verdiente.
Ich weiß: ich würde Dir einen solchen Brief nur schreiben in der Hoffnung, dass es danach besser werden würde. Niemals in der Vermutung, dass danach kein Wort mehr käme.
Ich weiß auch: Irgendwann werde ich Dir das hier zeigen. Irgendwann einmal, wenn Du vielleicht danach fragst, ob ich noch schreibe. Ich weiß: Das impliziert die Vermutung, dass Du redest oder schreibst. Darauf kann ich hoffen.

22.8.09 00:45


Persönliche Offährte

Den alten Geist noch mal beschwör'n
Sag, kannst du mich noch hör'n?

(ASP - Offährte)

Jeder meiner Blogs fängt immer aufs Neue an mit einer Entschuldigung. Eigentlich entschuldige ich mich nur vor mir selbst, versuche, vor mir selbst Rechenschaft abzulegen darüber, weshalb ich schon wieder den Ort wechselte, die Seiten, das Aussehen, den Namen. Vielleicht kann ich nicht anders. Vielleicht ist es meine Natur, Seiten anzulegen und sie auszuprobieren um sie dann schnell wieder zu verwerfen, sobald sie den Anschein erwecken, alltäglich zu werden, langweilig, einheitlich, Konfektion.
Wahrscheinlich wird auch dies kein letztes Mal sein. Und ich, Nomadenseele, ziehe weiter. Eine neue Haut, die ich mir überstreife, nachdem die alten meine gegangenen Wege säumen. Ein weiterer stiller Platz, an den ich meine wortgewordenen Schweigsamkeiten auslade, einmal mehr. Der alte Geist, er ist noch da, sitzt mir in den Fingerspitzen. Nur zu gern lass' ich ihn auf diesen Seiten tanzen.
Wir werden sehen.

18.8.09 22:40


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